gebgeb - Ute

Als ich 2002 ins Krankenhaus ging (ich war damals gerade 30 geworden), war ich noch der Meinung, man würde mir ein Fettknötchen herausschneiden und alles wäre wieder gut. Die Ernüchterung kam recht schnell - als der Oberarzt der Station mir noch am Abend des Einlieferungstages sehr vorsichtig und einfühlsam das Ergebnis der Stanzbiopsie mitteilte: Brustkrebs.
Das kam für mich, wie wohl für jede Betroffene, ziemlich plötzlich und wie ein eiskalter Wasserguss.
Was dann folgte, war für mich eine komplette Wende in meinem Leben. 

Während der Chemo verlor ich meine Haare, die mir bis dahin bis zur Gürtellinie reichten. Als ich erfuhr, dass das passieren würde, habe ich bitterlich geweint! Ich wollte mir nicht mal eine Perücke aussuchen, habe es einfach von mir weg geschoben. Das durfte einfach nicht passieren. Nicht mir!
Als ich die erste Strähne dann in der Hand hatte, hat mir mein Mann den Kopf radikal kahl geschoren - wir wollten nicht zusehen, wie die Haare fallen. Der geflochtene Zopf liegt noch heute in unserem Schrank. 

Erstaunlicherweise ging es mir mental ab dem Moment besser, obwohl ich vorher so große Angst davor hatte! Als die Haare erstmal weg waren, hatte ich kein Problem mehr damit, konnte mich auch problemlos vor meinen Freunden zeigen. Und ich war wirklich erstaunt, wie unbefangen das meine Umgebung aufgenommen hat. Nicht ein einziger Mensch in meiner näheren Umgebung hatte ein Problem mit meiner Glatze.

Ich bin so sogar jede Woche weiter ins Hallenbad gefahren, auch während der Chemo. Klar wurde ich manchmal angestarrt, aber es gab keine dummen Bemerkungen. Das hat mein Selbstbewusstsein enorm gestärkt. Einzig und allein die kleinen Kinder haben ihre Eltern ganz erstaunt gefragt, warum die Tante so komisch aussieht - und Kinder dürfen das! 

Ich hatte also durchweg positive Erfahrungen. Und im Nachhinein hatte es sogar noch einen kleinen Vorteil:
Seit ich aus der Pubertät heraus war, hatte ich lange Haare. Ich konnte mir gar nicht mehr vorstellen, wie ich mit kurzen Haaren aussähe. Heute weiß ich das. Und es sieht gar nicht so schlecht aus. Ich habe einen neuen Menschen kennen gelernt, er schaut mich jeden Morgen aus dem Spiegel heraus an. Außerdem wollte ich schon immer mal wissen, wie ich mit Locken aussehe - und auch dieser Wunsch ging nach Ende der Chemo in Erfüllung. Ich hatte einen richtigen Lockenschopf - jetzt glätten sich die Haare aber wieder, weil sie ja auch wieder länger sind. 

Trotzdem werde ich meine Haare wieder lang wachsen lassen. Denn wenn ich mich wirklich für eine Kurzhaarfrisur entscheiden sollte, dann will ICH das aus freien Stücken tun und nicht dazu gezwungen sein - und dazu habe ich nun die Gelegenheit.